Pflichtverteidiger

Wie bekomme ich einen Pflichtverteidiger?

In einem Strafprozeß können Sie unter bestimmten Voraussetzungen einen Pflichtverteidiger Ihrer Wahl erhalten. Es ist also nicht so, wie es gerne in Filmen dargestellt wird, dass man einen Pflichtverteidiger zugeteilt bekommt, den man gar nicht kennt (das geht zwar auch, aber nur, wenn man sich als Betroffener nicht drum kümmert).

Voraussetzung ist im Prinzip nur, dass die angeklagte Strafsache „schwer“ genug ist, um einen Pflichtverteidiger erhalten zu können. Geregelt ist das in § 140 StPO. Wann man von „schwer“ spricht, das sieht fast jedes Gericht anders. Einerseits ist eine Sache „schwer“, wenn sie sehr kompliziert ist und ein Bürger ohne Anwalt aufgeschmissen wäre. Andererseits dann, wenn eine hohe Strafe droht, also entweder eine Jugendstrafe ab 6 Monaten oder eine Erwachsenenstrafe ab 12 Monaten oder auch, wenn nur ein Bewährungswiderruf wegen dieser neuen Sache droht. In all diesen Fällen darf man sich den Verteidiger selbst aussuchen.

Fragen Sie am besten sofort den Anwalt Ihrer Wahl, ob eine Pflichtverteidigung in Betracht kommt und er diesen Fall übernimmt. Sie können natürlich auch uns fragen, wir übernehmen generell Fälle, die sich für Pflichtverteidigungen eignen und verteidigen dann mit dem gewohnten Engagement, das Sie erwarten dürfen.

Es gibt Fälle, in denen Sie, wenn Sie noch keinen Verteidiger haben und eine Anklageschrift zugestellt bekommen, aufgefordert werden, einen Verteidiger Ihrer Wahl zu benennen, der dann zum Pflichtverteidiger bestellt wird. Das sollten Sie dann möglichst sofort tun. Denn wenn Sie sich nicht innerhalb der meist kurzen Frist melden, risikieren Sie, dass das Gericht sich einen Anwalt seiner Wahl für Sie aussucht. Und raten Sie mal, welchen Anwalt das Gericht Ihnen dann beiordnet – einen, der für Sie kämpft oder einen, der dem Richter keine Probleme bereitet?

Was kostet mich ein Pflichtverteidiger?

Ein Pflichtverteidiger kostet Sie zunächst einmal gar nichts. Die Beiordnung bedeutet, dass der Staat die Anwaltskosten übernehmen muss. Sie haben also während der Beiordnung einen Anwalt an Ihrer Seite, dessen Bezahlung sichergestellt ist.

Wenn Sie allerdings rechtskräftig verurteilt werden, holt sich der Staat auch diese Kosten -wie alle anderen Verfahrenskosten, also die Kosten der Verhandlung und der Zeugen- von Ihnen zurück. Das geht allerdings nur, wenn bei Ihnen „was zu holen“ ist. Haben Sie kein oder wenig Einkommen, dann kann man Ihnen auch nichts wegnehmen. Trotzdem haben Sie natürlich den Anspruch auf Ihren Pflichtverteidiger.

Bei einer Einstellung des Verfahrens trägt der Staat die Pflichtverteidigerkosten und kann sie sich nicht von Ihnen wiederholen.

An wen kann ich mich wenden?

Sie können sich natürlich an jeden Rechtsanwalt Ihrer Wahl wenden. In unserem Hause können wir Ihnen Rechtsanwalt Thomas Wings empfehlen, der Pflichtverteidigungen engagiert übernimmt. Fragen Sie einfach nach, schicken Sie uns eine EMail oder kommen Sie vorbei!

Was ist, wenn ich keine Pflichtverteidigung bekomme?

Wenn das Gericht den Antrag auf Pflichtverteidigung ablehnt und auch eine Beschwerde gegen diese Entscheidung nichts bringt, müssen Sie leider die Kosten für Ihren Verteidiger selbst tragen. Wie hoch diese sind, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Jeder Fall ist eben anders. Sprechen Sie einfach mit uns.

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