Telefonstörung

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SOKO Kindergarten

Mord, Totschlag, Raub, Erpressung, Vergewaltigung, Einbrüche, organisierte Drogenkriminalität, Betrügereien – all das ist quasi mein täglich Brot. Immer wieder kommen Fälle rein, bei denen die Vorwürfe heikel, unappetitlich oder einfach nur schlimm sind. Der Fall, der mir jüngst aus dem Bereich des Fussballstrafrechts reingespült wurde, toppt aber nun wirklich alles bisher dagewesene. Es ist ein Fall, der mich überdenken lässt, ob ich tatsächlich den richtigen Beruf ausübe. Vielleicht, sagen mir meine Selbstzweifel, vielleicht stehe ich auf der falschen Seite des Rechts.

Aber was ist schlimmes passiert? Natürlich geschah es beim Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04. Ein Hochrisikospiel, um in der Begrifflichkeit der Polizei zu bleiben. Alle schlimmen Befürchtungen im Vorfeld dieses Derbys haben sich nunmehr bewahrheitet. War ich vorher noch der Auffassung, das monströse Aufgebot an Polizistinnen und Polizisten in quasi-militärischer Ausrüstung sei übertrieben, wurde ich jetzt eines besseren belehrt. Besser spät als nie.

Es geschah nach Abpfiff. Eine Gruppe junger Polizisten aus einer Einsatzhundertschaft aus Wuppertal verrichtet gewissenhaft ihren Dienst und begleitet eine Horde potentiell gewalttätiger Schalker Fussballfans, die sich im realen Leben als Bankkaufleute, Steuerberater oder auch Rechtsanwälte ausgeben, zur Straßenbahn. Professionell werden durch diese Begleitung Straftaten verhindert. Um sicher zu gehen, dass die Straßenbahn von den sich im Alltag seriös gebenden Menschen jeden Alters nicht auf den Weg zum Bahnhof in die Luft gesprengt wird, nehmen einige der Polizistinnen und Polizisten ihren Mut zusammen und steigen ebenfalls in die Straßenbahn ein. Und dann geschieht das Unglaubliche, das selbst das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen unter der tapferen Führung seines Ministers nicht im schlimmsten Albtraum erahnen konnte: Ein besonders bösartiger Schalkefan hat einem der Wuppertaler Beamten, hold on to your seats, die Zunge herausgestreckt!!!!!!!1111

Rasch wurden die Beweise gesichert, Personalien festgestellt, die ausführliche Strafanzeige gefertigt, die weiteren Ermittlungen aufgenommen, Vernehmungen angeordnet und schnell wuchs die Ermittlungsakte der SOKO Kindergarten auf satte 30 Seiten. Wie in Fällen solcher Kriminalität üblich, stellt nicht nur das wüst beleidigte Opfer einen eigenen Strafantrag, sondern auch der jeweilige Vorgesetzte oder Behördenleiter. Als wenn eine solche Herabwürdigung nicht schon schlimm genug wäre, nein, es kommt noch schlimmer – selbst die Behördenleitung weigerte sich, einen eigenen Strafantrag zu stellen. Mit der absurden Behauptung, die Sache sei nicht so richtig schwerwiegend. Aber die Staatsanwaltschaft Dortmund, unbeirrbare Verteidigerin der Rechte unserer Polizistinnen und Polizisten, sah die Sache glücklicherweise im rechten Licht und beantragte die Bestrafung des kriminellen Verbalhooligans. Und somit wird demnächst vor dem Amtsgericht in Dortmund dieser besonders bösartige Fall von Ehrverletzung verhandelt.

Wo ist eigentlich der Bund der Steuerzahler, wenn man ihn mal braucht…?