Telefonstörung

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Der Spermalieferant

Gestern las ich im Kölner Stadtanzeiger ein Interview mit einem anonym bleiben wollenden Angestellten der JVA Köln. Es ging im Wesentlichen darum, dass in den Knast zahlreiche Dinge eingeschmuggelt würden und diese unter den Häftlingen gehandelt werden. Zu den beliebtesten Gütern gehören Gras (In-House-Preis: 40 Euro pro Gramm), Wodka (50€) oder Telefone (200-250€). Der Wachmann schildert es so, als wenn hauptsächlich Besucherinnen und Besucher sowie Häftlinge, die vom Hafturlaub zurückkehren, die Dinge einschmuggeln würden. Das dürfte meiner bescheidenen Meinung nach allerdings nicht der einzige Hauptweg zum Schmuggel sein. Ich gehe mal davon aus, dass es auch für Wachleute nicht ganz unlukrativ ist, wenn sie selbst Ware in den Knast bringen; der ein oder andere wird sich sicherlich ein kleines Zubrot auf diese Art und Weise verdienen. Aber auch primitivere Methoden werden genutzt. Mir schilderte jüngst ein inhaftierter Mandant, wie er mitten in der Nacht geweckt wurde, weil ein Paket gegen sein „Fenster“ geschleudert wurde. Angeblich ein Paket voller Telefone, wie sich später herausstellte. Schlicht und einfach über die Mauer geworfen…

Und natürlich werden auch Verteidiger angesprochen, Dinge mit hinein zu nehmen. Der kluge Verteidiger lässt davon natürlich die Finger, denn abgesehen von der Gefahr, erwischt zu werden, macht man sich mal ganz nebenbei von dem eigenen Mandanten erpressbar, wenn man sich als Bote illegaler Ware verdingt. Und dennoch kommen immer wieder mal Anfragen.

Die skurrilste Anfrage dieser Art hatte ich dahingehend, nichts mit hinein, sondern mit hinauszunehmen. Die Ehefrau des Mandanten berichtete mir von dem Kinderwunsch des Ehepaares. Dummerweise hatte er sich im Knast daneben benommen und so wurde dem Paar kein Langzeitbesuch gewährt. Langzeitbesuche sind mehrere Stunden ungestörten Zusammenseins in einem wohl halbwegs wohnlichen Raum innerhalb der JVA. Und so bat sie mich für den Fall des kommenden Eisprungs, eine Portion seines Spermas aus den Besuchsräumen zu schmuggeln und ihr danach zu übergeben. Mal abgesehen davon, dass mir noch nicht einmal Schmugglerhonorar dafür angeboten wurde, fragte ich mich, wie er das Zeugs denn in den Besprechungsraum bekommen wollte. Möglicherweise war auch eine frische Entnahme beabsichtigt. Man weiß es nicht und ganz ehrlich, man will es auch gar nicht weiter hinterfragen. Ich musste jedenfalls nicht sehr lange in mich gehen und lehnte die Anfrage unter Bedauern ab.

Erinnert hat mich das an einen Mandanten, der ebenfalls viele Jahre absaß und mir eines Tages freudig berichtete, dass er Vater werde. Da er ebenfalls keinen Ausgang und keinen Langzeitbesuch hatte und nur überwachte Besuchskontakte zugelassen waren, zögerte ich mit dem Glückwunsch und fragte, ob er sich denn ganz sicher sei, der glückliche Vater zu sein. Doch, doch, hieß es selbstsicher. Vor einigen Wochen sei der JVA-Beamte während des Besuchs kurz für zwei Minuten in sein Büro gegangen. Diese zwei Minuten hätte man dann spontan für die Zeugung des Nachwuchses genutzt. Na dann herzlichen Glückwunsch!