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Fehlereinsicht à la Polizei NRW

Man muss sich inzwischen ernsthaft Sorgen machen um die Polizeiführung in NRW. Dem geneigten Publikum dieses Blogs sind die Ereignisse rund um das Fussballspiel meines Herzensvereins gegen Saloniki und das rüde und durch nichts zu rechtfertigende menschenverletzende Einschreiten der Polizei an diesem Abend hinlänglich bekannt. So schlimm dieser Abend war, so schlimm die physischen Verletzungen der verletzten Fans und so schlimm die psychischen Folgen gerade beim jüngsten Publikum, das jetzt wegen des rüden Auftretens der Polizei regelrecht Angst vor dem Besuch weiterer Spiele hat – so eindeutig war jedoch in der Folge die Kritik an der Polizei. Endlich, muss man sagen, endlich haben es auch die Fußballfunktionäre verstanden und reden nicht (mehr) der Polizei nach dem Mund, sondern kritisieren mit Blick auf die Realitäten diesen Fehleinsatz deutlich. Dabei kommt es mitunter zu seltsamen Koalitionen, wenn sogar rivalisierende Schalker und Dortmunder Offizielle und auch Fans ihrer Kritik Luft machen.

Was könnte man nach solch geballter Kritik von der Polizeiführung erwarten? Eine Entschuldigung? Eine Änderung des Verhaltens? Das Anerkennen eines Fehlers? Mitnichten. Ralf Jäger, SPD, Innenminister und somit Polizeichef von NRW, reagiert nicht wie ein Jäger, sondern wie ein angeschossenes Kaninchen. Oder wie ein 3-jähriges Kind, je nach dem. In einer heute bekannt gewordenen Erklärung will die Polizei sich künftig gar nicht mehr auf Schalke aufhalten. Die Sicherheit obliege dann allein dem Verein. Weder im Stadion noch auf dem Vereinsgelände werde man sich aufhalten. Und das ganze im Wesentlichen wegen des „ungeheuerlichen Vorwurfs eines unrechtmäßigen Einsatzes“ (so auch der Führer Chef der ‚Deutschen Polzeigewerkschaft‘). Man kritisiert die Polizei eben nicht ungestraft.

"Der kleine Trotzkopf" Bild: 'tuey'

„Der kleine Trotzkopf“
Bild: ‚tuey‘

Ich fasse also zusammen: Die Polizei ordnet mit einer katastrophalen Fehleinschätzung der Einsatz- und Rechtslage einen höchst zweifelhaften Einsatz an, der viele unschuldige Menschen ohne Not verletzt und einschüchtert. Sie bekommt dafür -anders als früher üblich- harsche Kritik auch von der Vereinsführung von Schalke 04. Diese Kritik wird mit dürftigen Argumenten -wie üblich- schön geredet und auch dafür setzt es Kritik, unter anderem auch von anderen Vereinsfunktionären. Und aus Trotz will man sich nun von der „Gewährung von Sicherheit“ im Stadion vollkommen zurück ziehen.

Nun denn. Es bleibt abzuwarten, was da noch für törichte Ideen seitens der beleidigten Beamtenschar folgen werden. Aber interessant ist diese vermutlich in erster Linie um Aufmerksamkeit buhlende Entscheidung schon. Denn es stellt sich schon die Frage, ob die Polizei sich hier so einfach zurückziehen kann. Entweder kann die Polizei sich einfach aus dem Stadion zurückziehen, so wie es jetzt vorhat. Dann wird sie sich allerdings fragen lassen müssen, warum sie sich noch in anderen Fußballstadien präsentiert und somit dort Unmengen an Steuergeldern verschleudert. Diese Ungleichbehandlung wäre erklärungsbedürftig und nicht mit Jäger’schem Trotz zu rechtfertigen. Oder aber die Polizei darf aus Sicherheitsgründen eben nicht fernbleiben – dann wäre solch eine Maßnahme ebenfalls fatal. Wie man es dreht und wendet – eine trotzige Polizeiführung ist sicherlich keine gute Basis für Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit. Und ein Hardliner und Trotzkopf in Personalunion keine gute Wahl als Innenminister.

Schade, dass bei der anstehenden Wahl Jäger nicht zu dieser steht. Es bleibt nur zu hoffen, dass die große Koalition nach der Bundestagswahl nicht den Bock zum Gärtner Jäger zum Bundesinnenminister macht.