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Polizisten randalieren auf Schalke

Eigentlich wollte ich Urlaub machen, aber dann gerate ich in der Freizeit in einen bemerkenswerten Polizeieinsatz. Tatort: Auf Schalke beim Spiel gegen Saloniki. Das Spiel war sportlich eher bescheiden. Juristisch -da bleibt mir auch nichts erspart- war es eine einzige Katastrophe.

In der zweiten Halbzeit zogen auf einmal massive Polizeikräfte in die Nordkurve ein, dort, wo die Schalker stehen. Es waren nicht nur viele, bestimmt an die hundert Polizisten, diese waren zudem noch in voller Kampfmontur ausgerüstet. Helm, Schlagstock, Tränengasgeschosse im lockeren Handgelenk. Zielstrebig marschierte diese grüne Armee in Richtung des „Vorsängerblocks“, es war nicht zu erkennen, was der Grund für diesen plötzlichen Überfall war. Gewalttätigkeiten waren zuvor ebensowenig zu erkennen wie etwa das Abbrennen von Pyrotechnik, was für die Sicherheitskräfte ja normalerweise ein rotes Tuch ist. Die Polizei schoß mit Tränengas in die Menge als wenn es kein Morgen mehr gäbe. Völlig harmlose Besucher fragten die einzelnen Polizisten, was der Grund für deren plötzliche Aggressionen war. Als Antwort gab es Grinsen. Auf erneutes Fragen und der Bitte, den Namen zu nennen, setzte es eine Ladung Tränengas. Nachvollziehbar bei solch blöden Fragen.s04saloniki

Im Laufe der Zeit kam wurde dann die „Rechtsgrundlage“ für den Polizeieinsatz genannt: Im Spiel gegen die Griechen wagte es der Schalker Block, eine mazedonische Flagge zu hissen. Kein Witz, das war der Grund für das Einschreiten einer militärischen Hundertschaft. Die Polizei nahm „Volksverhetzung“ an und musste dann den Block mit ihren massiven Kamptruppen stürmen und eine Spur der Verwüstung in Kauf nehmen. Tränengas wurde in rauen Mengen verteilt, die Knüppel wurden gegen die gezückt, die sich das Einschreiten nicht gefallen lassen wollten.

Lange habe ich nicht mehr so ein unfassbares Verhalten der Polizei am eigenen Leibe erlebt. Die Begründung der Polizei ist mehr als ein schlechter Scherz. Abgesehen davon, dass ich nicht davon ausgehe, dass eine mazedonische Flagge einen Straftatbestand darstellen dürfte. Selbst wenn es so wäre: Moderne Fußballstadien sind in einer Art visuell überwacht, dass von jedem Zuschauer Passfotos gefertigt werden können. Selbst wenn es eine strafrechtlich relevante Flagge gegeben hätte, wüsste man „dank“ der umfassenden Bespitzelung der Zuschauer eines Fußballspiels, wer der/die Täter wären. Muss man diese dann ad hoc attackieren? Nein, man muss es nicht nur nicht, man darf es sogar nicht. Es widerspricht jeglichem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz, wenn man (selbst unterstellt, die Fahne hätte nicht gehisst werden dürfen) mit Kampfmontur in eine Zuschauermenge einmarschiert, um dort derartig Krawall zu machen.

Wer auch immer diesen Einsatz in dieser Form angeordnet und nun zu verantworten hat, dass ersichtlich völlig unschuldige Menschen mit Tränengas bearbeitet wurden, wird sich erklären müssen. Er/sie kann sich eigentlich nicht entschuldigen. Berücksichtigt man das, was am letzten Wochenende in Dortmund passierte, muss man von einer neuen Strategie der Polizei NRW ausgehen, die sich gegen alles richtet, was böse nach Fussball riecht. Dort wurden Fans körperlich durchsucht, weil sie angeblich Transparente bei sich führten, die entweder die Polizei (mit dem Kürzel „ACAB“) oder aber den Vorstandsvorsitzenden der TSG Hoffenheim („Fadenkreuz“)  beleidigen sollten. Gefunden wurde aber nichts. Es gab also weder bei dem Einsatz in Dortmund als auch bei dem Einsatz auf Schalke einen Grund, der dieses massive Einschreiten gerechtfertigt hätte. Was kommt als nächstes? Das Einmarschieren einer Hundertschaft, weil der FC Bayern München beleidigt wird?

Es spricht vieles dafür, dass diese verschärfte Polizeitaktik auf eine grundsätzliche politische Entscheidung während der Sommerpause zurückzuführen ist. Innenminister von NRW ist der SPD-Politiker Ralf Jäger, dem man ja Ambitionen nachsagt, Nachfolger von Hannelore Kraft zu werden, wenn diese sich um den Job als Bundeskanzlerin bewerben wird. Sollte er tatsächlich für solche Einsätze verantwortlich sein, möchte ich persönlich ihn eher nicht mehr in der Politik sehen. Denn diese Einsätze unterscheiden sich nicht von denen, die man an Putins Russland anprangert.

Zu loben ist indes der Vorstand meines Vereins, der in einer Erklärung den völlig unverhältnismäßigen Polizeieinsatz anprangert. Ein Novum, solange ich Fußballspiele besuche und daher sicherlich besonders beachtenswert.