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„Geschultes Auge“ oder Alltagsrassismus

Gelangweilte Polizisten kommen manchmal auf reichlich überflüssige Ideen. So bei einem meiner Mandanten, der mit seinem Bruder in Arbeitskleidung über die Autobahn bei Düsseldorf fuhr. Das reichte den Autobahnpolizisten schon, hier nicht nur das Fahrzeug des Mandanten zu stoppen, sondern es auch nach allen Regeln der Kunst zu durchsuchen und Dinge zu beschlagnahmen. Warum? Weil die Mandanten in gewisser Weise aussehen, als seien sie türkischer Herkunft. Polizisten rühmen sich ja gerne ihres so genannten „geschulten Auges“, mit dem sie Verbrecher schon allein am Aussehen oder Verhalten identifizieren können. Gerade Zollfahnder an den Grenzen berichten ja stets gerne von ihren Erfolgen (naturgemäß weniger von ihren Mißerfolgen oder den Dingen, die ihnen durchgingen). Möglicherweise fühlen sie sich ja auch erfolgreich, obwohl sie gar nicht einschätzen können, wieviel ihnen tatsächlich an Schmuggelei durch die Lappen geht, weil ihr geschultes Auge den kreativeren Teil der Kriminellen übersieht.

Aber zurück zum Fall: Das geschulte Auge der wachsamen Beamten hat also erkannt, dass hier Gefahr im Spiel ist. Türkisches Aussehen, gepaart mit Arbeitskleidung. Da liegt der Fall des Sozialbetruges, vulgo Schwarzarbeit natürlich sehr nahe. Und so werden die beiden unbescholtenen Fahrzeuginsassen nicht nur angehalten. Sie werden auf dem Rastplatz fotografiert, einmal als Ganzkörperbild, zusätzlich noch die Handrücken und Handinnenflächen. Schwere Straftaten verlangen halt nach akribischer Spurensicherung. Zudem wird das Fahrzeug noch 30 Minuten genauestens durchsucht und alles papierene wird beschlagnahmt. Man weiß ja nie. Man betreibt einen recht maßlosen Aufwand.

Auf meine Beschwerde gegen Durchsuchung und Beschlagnahme passiert zunächst mal viele Wochen gar nichts. Inzwischen sind die beschlagnahmten Gegenstände wieder zurückgegeben worden und das Verfahren wird eingestellt – der Anlass für die Maßnahme war und bleibt nicht nur lächerlich, er ist höchst bedenklich und zeugt nur davon, was die Herren von Personen mit einem bestimmten Aussehen so halten.