Telefonstörung

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Polizeibesuch nach dem Bloggen

Bloggen ist nicht ganz risikolos. Wenn es besonders doof läuft, bekommt man danach sogar früh morgens Besuch von bewaffneten Milizen, die wegen eines Blogbeitrags Bloggers Wohnung durchsuchen, während man noch im Bademantel da steht, die Polizei Fotos von einem macht, während man lediglich in eben diesem Bademantel bekleidet ist und zeitgleich auch andere Polizisten das eigene Büro durchsuchen. Nein, das ist nicht in Putins Russland passiert. Ich spreche auch nicht von Weißrussland, dem Sudan oder einem anderen Schurkenstaat. Das gibts auch im Ruhrgebiet.

Nein, nicht bei mir. (noch nicht…)

Was ist passiert? Die Bloggerin Eva I., die den Blog “Steadynews” mit Content füllt, hat wegen dieses Contents massiven Ärger mit der Justiz bekommen. Sie hat, für jeden erkennbar scherzhaft, darüber gebloggt, dass sie sich einen Ehrendoktortitel kaufen könne, nachdem diese bei dem Anbieter “Groupon” zum Verkauf angeboten werden.

Nun ist es mit dem Humor oder zumindest Ironieverständnis bei Juristen mitunter nicht so weit her. Jedenfalls nahm die Staatsanwaltschaft Lübeck Ermittlungen auf wegen des Verdachts des Missbrauchs von Titeln. Wenn das nicht schon Ressourcenverschwendung genug ist – es wurde ein Antrag auf Hausdurchsuchung beim zuständigen Amtsgericht Lübeck gestellt und dieses war sich nicht zu schade, diesen Antrag durchzuwinken zu bescheiden. Und siehe da, eines Morgens bekommt die Dame den Besuch der Staatsmacht. 8 BeamtInnen durchwühlen die Wohnung der vermeintlichen Kriminellen und fotografieren sie zu allem Überfluss noch im Bademantel sowie sind zeitgleich in ihr Büro eingefallen.

Jetzt laufen die Ermittlungen vermutlich auf Hochtouren. Man kann nur froh sein, dass die arme Betroffene scheinbar stark genug ist, um diesen Irrsin zu überstehen. Meine Mandanten, die Hausdurchsuchungen und das Verhalten mancher Beamter während dieser Aktionen erleben mussten, erwähnen immer wieder, dass sie das Vertrauen in die Justiz verloren hätten. Verübeln kann man es den Opfern solcher Aktionen nicht.

Fazit: Beim Bloggen immer schön aufpassen. Das gilt nicht nur für Putins Land.

4 Responses to “Polizeibesuch nach dem Bloggen”

  1. Miraculix 18. April 2013 at 19:08 #

    und wie geht man gegen solche Dinge an?

  2. Eva Ihnenfeldt 19. April 2013 at 18:34 #

    Ich bins – die Bloggerin aus dem Ruhrgebiet… vielen dank für den Beitrag. Wollte nur sagen dass ich verspreche tapfer zu bleiben und alles zu tun was in meiner Kraft steht, um unsere Grundrechte zu schützen. Ich liebe und verehre unser Grundgesetz und es macht mich traurig, wie es durch die globalisierte Datensammelei immer mehr schwankt im Moment. Bin noch nicht mal böse auf Justiz und Polizei, sie sind einfach hoffnungslos überfordert, aber wir müssen JETZT wachsam handeln, damit wir nicht fröhlich blöd in einen Überwachungsstaat spazieren, einfach weil so große Ratlosigkeit herrscht… Und ich gebe zu, ich fürchte mich vor dem 3. Mai – wenn das mal bloß gutgeht… http://gutjahr.biz/2013/04/bestandsdatenauskunft/

  3. Thomas Wings 19. April 2013 at 18:54 #

    Hallo Frau Ihnenfeldt, vielen Dank für den netten Kommentar. Ich wünsche Ihnen natürlich alles Gute und dass diese ganze Aktion für die veranlassenden Beamten zum medialen Bumerang werde. Man muss sowas wohl auch mit einer gehörigen Portion Ironie nehmen; schön, dass Ihnen das gelingt. Und bei der Bestandsdatenauskunft graut es wohl jedem aufgeklärten Wesen.

  4. Michael Selk 6. Mai 2013 at 22:21 #

    Ich bin erschüttert. Übrigens ist einer der beiden beim AG Lübeck zuständigen Gs-Richter ein alter Studienkumpel von mir, dem ich einen solchen Beschluss nicht zutraue… Mannomann.