Telefonstörung

Aufgrund einer Störung bei der Telekom ist unser Büro voraussichtlich bis Freitag, den 6.10.2017 nur unter der Rufnummer 02043-204110 erreichbar.

Mahlzeit!

Die Verhandlung begann schon mit deutlicher Verzögerung. Und dann macht mein Mandant noch nicht mal ein Geständnis, sondern schildert ausführlich, wie es aus seiner Sicht passiert ist. Gegen 12.45 Uhr schaut der Richter auf seine Uhr. „Drei Zeugen schaffen wir bis Mittags nicht mehr. Höchstens einen noch.“ Auf meine überraschte Nachfrage, was denn das Problem sei: „Wir müssen dann Pause machen. Ich muss Mittag essen.“ Ich verwies nochmal darauf, dass es dann nur noch zwei Zeugen seien, die beide zusammen allenfalls zehn Minuten was zu sagen hätten, wenn überhaupt. Danach wäre doch Schluß, weil in einem weiteren Termin weitere Zeugen zu hören seien. „Nein, das geht nicht.“

Tja, dann wurde noch ein Zeuge gehört. Wie die anderen noch folgenden jemand, der aus dem Knast vorgeführt wurde und seit über 6 Stunden in der Gerichtszelle warten musste. Das ist nun ein Ort, an dem man keine 3 Minuten sein will. Gekachelter Raum, nur eine harte Steinbank und eine offene Toilette in dem Raum. Keine Decke, kein Kissen, kein Stuhl. Vielleicht gegen Mittag ein Trinkpäckchen und ein Butterbrot. Vielleicht.

Der letzte Zeuge vor der Pause hatte Mumm: Nach seiner Vernehmung (vielleicht 10 Minuten) sagte er, er sei Haftsprecher und wollte mal sagen, dass es eine Unverschämtheit sei, so lange in so einer Zelle eingepfercht zu sein. Das sei herablassend und da unten werde auch schon randaliert. Er wisse jedenfalls genau, dass er nicht mehr vor Gericht aussagen werde und die da unten wollen auch nicht mehr.

Nochmal wies ich den Richter darauf hin: Machen wir noch eben die beiden Zeugen. 10 Minuten und gut ist. Dann ist Schluß für heute.

Nein. Mittagspause. 1 Stunde. Um 14 Uhr gehts weiter.“ – „Aber ich habe noch andere Termine.“ – „Nein.“ Und ging weg.

Keine Ahnung, was da so wichtig gewesen ist. Mein Tag jedenfalls war im Eimer, die Wachtmeister hatten ihren Spaß mit den randalierenden Zeugen und mich lässt der Eindruck nicht los, dass dies der Preis für ein unterbliebenes Geständnis und meine insistierenden Nachfragen an die Zeugen war.

Um 14 Uhr waren alle da. Bis auf den Richter. Der kam um 14.20 Uhr, weil er wohl noch ein Auto zugeparkt hatte und der zugeparkte Richterkollege in den wohlverdienten Feierabend wollte. Mit Mühe habe ich mir ein „Hat’s geschmeckt?“ verkniffen. Das übernahm dann aber der erste Zeuge: „Na? Pause zuende?“, was den Richter toben ließ. „So reden Sie nicht mit mir, das ist eine Unverschämtheit“ usw. usf. Ich lehnte mich zurück und sehnte mir Bier, Chips und Popcorn herbei, aber die beiden kriegten sich dann auch wieder ein.

Dann noch ein Zeuge und nach vielleicht 8 Minuten war alles vorbei. 8 Minuten, die man nicht zu spät zum essen kommen wollte und die mir, meinen im Büro wartenden Mandanten, den Zeugen in der Zelle, den Wachtmeistern, die diese bewachen mussten und den noch nicht entlassenen, aber schon gehörten Zeugen, etwa anderthalb Stunden vom Tag genommen haben.

Mahlzeit!