Magath schweigt zu Vorwürfen – sehr richtig, aus seiner Sicht!

Heute sollte Felix Magath zur Aufsichtsratssitzung meines geliebten Fussballvereins Schalke 04 erscheinen und sich unter anderem zu bestimmten Vorwürfen rechtfertigen. Er tat dies nicht, sondern blieb der Sitzung fern.

Sehr richtig! Denn es geht, so hört man, um Vorwürfe formeller Natur, die ihm im Ergebnis, wenn die Vorwürfe zutreffen, seine ihm ansonsten zustehenden Gehaltsansprüche oder eine Abfindung zumindest gefährden könnten. Warum ist es also aus Sicht Magaths richtig, sich dieser Befragung zu entziehen? Wäre es nicht schlauer, sich zu erklären und zu rechtfertigen, damit die Dinge aufgeklärt werden? Die Antwort ist ein klares Nein!

Die wichtigste Verteidigerregel ist: “Schweige! Erkläre Dich nicht. Nicht sofort.” Denn in einer hektischen und aufgeladenen Situation, in der man die Vorwürfe auch zunächst nur oberflächlich kennt, kann jedes Wort falsch sein. Jedes Wort, jede protokollierte Äußerung kann dazu führen, daß man sich ungewollt ein Eigentor baut. Wenn eine solche unbedachte Äußerung erstmal in der Welt ist, muss man sich nicht nur gegen den Vorwurf zu Wehr setzen, sondern dann auch um Argumente gegen die eigene Äußerung ringen. Und das fällt schwer. Zumal man nicht weiß, ob die eigene Äußerung zwar einen Vorwurf dementiert, aber einen anderen, den man noch gar nicht kennt, rechtfertigen würde.

Besser ist es also, in Ruhe und mit Abstand die Vorwürfe umfassend, schriftlich zur Kenntnis zu nehmen und in der selben Ruhe darauf zu erwidern. Das braucht Zeit und Zeit sollte man sich nehmen. Natürlich schwebt, solange man sich nicht äußert, über einem der Verdacht, etwas böses getan zu haben. Aber na und? Wichtiger ist es doch, aus der Sache am Ende so gut wie möglich heraus zu kommen und das wird um so schwerer, je früher man sich äußert.

So wie im Falle Magath ist es natürlich in jedem Strafverfahren. Ermittler der Polizei wissen um die (aus ihrer Sicht) Gefahr des Schweigerechts und gaukeln den Beschuldigten vor, es wäre besser jetzt sofort die Hosen runter zu lassen, denn erwiesen sei die Tat ja sowieso und ein frühes Geständnis würde immer besser wirken. Völliger Unfug! Ob etwas bewiesen ist und ob etwa alle Beweismittel rechtmäßig vorliegen, das kann niemand in diesem Stadium wissen. Es ist -in aller Regel, gewisse Ausnahmen gibt es- besser, nichts zu sagen.

Aber dazu werde ich sicherlich zu späterer Zeit nochmal ausführlicher eingehen. Es ist einfach zu wichtig.

Im Falle Magath ärgert mich die schlaue Entscheidung Magaths natürlich. Ich will hoffen, dass sich mein Verein eine Menge Geld spart. Man darf gespannt sein…

4 Responses to “Magath schweigt zu Vorwürfen – sehr richtig, aus seiner Sicht!”

  1. KH Günst 16. März 2011 at 12:58 #

    Ist denn eine Aussage bzw. Äußerung vor dem AR einer Aussage vor Gericht od dem Staatsanwalt in ihrer Relevanz vergleichbar?

    • tommes04 16. März 2011 at 14:22 #

      Nein, nicht eins zu eins natürlich. Im geschäftlichen Alltag darf man schonmal anders daher plappern, aber diese aufgebaute Situation mit 11 Aufsichtsräten und einem “Schuldigen”, die hat schon was inquisitorisches.

  2. realhuette 17. März 2011 at 10:52 #

    Ich finde es einfach peinlich und jämmerlich, einen Vertrag aufzulösen und sich um eine Abfindung drücken zu wollen.

    Aber sag mal, hätte denn der Verein einen juristischen Nachteil zu erwarten, wenn Tönnies seine Gründe konkreter darlegen würde?

  3. Miriam 18. März 2011 at 07:53 #

    Ich bin froh, dass Magath nun entlassen wurde, denn er hat wirklich nicht zu Schalke gepasst. Soll er lieber zurück nach Wolfsburg gehen.