Telefonstörung

Aufgrund einer Störung bei der Telekom ist unser Büro voraussichtlich bis Freitag, den 6.10.2017 nur unter der Rufnummer 02043-204110 erreichbar.

Fehlerfrei

Gerne werfe ich Richterinnen und Richtern vor, dass sie sich falsch entschieden haben. Wer aber anderen Fehler vorwirft, macht gerne auch selbst welche. Und selbstredend gilt das auch für mich:

Eines meiner größten Ärgernisse ist für mich oft die Voreingenommenheit bei Gericht. Ich erwarte, dass Richterinnen und Richter ergebnisoffen in eine Sitzung gehen. Leider viel zu oft ist das Gegenteil der Fall. Man erkennt bereits an dem Vernehmungsstil oder daran, wie unterschiedlich der Angeklagte oder die Zeugen angepackt werden, wohin die Reise gehen wird. Innerliches Umschwenken gerne mal ausgeschlossen.

Besonders ärgerlich ist es, wenn ich während meines eigenen Plädoyers, also meiner Zusammenfassung der Verhandlung, beobachten kann, wie der Richter oder die Richterin schon das Urteil schreibt. Manchmal höre ich dann auf zu sprechen und warte, wie lange es dauert, bis mein Schweigen auffällt. Unangenehm ist das den betreffenden Personen seltsamerweise nie.

Man könnte in solchen Situationen auch über einen Befangenheitsantrag nachdenken, denn für das Gericht steht das Urteil ja schon fest, bevor der Verteidiger zuende geredet und der Angeklagte sich in seinem „letzten Wort“ noch rechtfertigen konnte. Sonst wäre nicht zu erklären, wieso das Urteil schon zu Papier gebracht wird. Nur wird man damit oft Schiffbruch erleiden, denn auf einmal ist das Urteil kein Urteil mehr, sondern blosse Notiz und natürlich sei man noch nicht festgelegt.

Als ich neulich wieder bemerkte, wie man schon fleissig schrieb, während ich noch redete, plusterte ich mich auf und habe mich fürchterlich darüber aufgeregt. „Das Gericht sei offenbar schon festgelegt“, wetterte ich und: „ich bräuchte wohl nichts mehr zu sagen.“ Etcetera pp. Man merkte förmlich, wie die Stimmung im Gerichtssaal aufgeladen war. Ein weiterer Funken würde zur Explosion führen. Aber dann die Urteilsverkündung: „Freispruch„. Da hatte die Richterin tatsächlich das Urteil vorher geschrieben, allerdings in meinem Sinne. Was zu einem hochroten Kopf des Verteidigers führte, der prompt auf der Suche nach einem Erdloch war, in dem er verschwinden konnte. Und zu einer Richterin, die mich -leider zurecht- etwas böse verabschiedete.

Niemand ist eben fehlerfrei. Sag ich doch.