Dr. plag. zu Guttenberg

Das Wichtigste vorweg: Die Idee in der Überschrift stammt nicht von mir. Die habe ich geklaut. Die Fundstelle stammt aus Twitter.

Da ist man mal ein paar Tage im Ausland und schon steht des Bürgers Lieblingsminister unter bösem Beschuss. Zu Guttenberg wird vorgeworfen, Texte fremder Autoren in seiner Dissertation verwendet und dies nicht gekennzeichnet zu haben. Seine Verteidiger, vor allem CSU-Generalsekretär Dobrindt werfen den Guttenberg-Kritikern Erbsenzählerei vor.

Aus meiner bescheidenen Sicht werfen die Vorwürfe in vielerlei Hinsicht ein aufklärendes Licht auf den in Volkes Meinung so glaubwürdigen Minister. Die in der Süddeutschen Zeitung gegenüber gestellten Fundstellen seiner Doktorarbeit und den vielzeilig gleichlautenden anderer Autoren sind entlarvend. Allein diese wenigen Beispiele lassen eine systematische Vorgehensweise vermuten; besonders anrüchig ist ein im Wortlaut übernommener Artikel aus der NZZ. Dieser ist in der Doktorarbeit nicht nur ohne Quellenangabe im Original abgeschrieben, sondern zu allem Überfluss noch unter einer Zwischenüberschrift “c) Bewertung” zu finden. Hier werden fremde Gedanken schlicht als eigene verkauft. Gerade die “Bewertung”, das Fazit seiner These, hat das Werk eigener Gedanken zu sein.

Schon das in der SZ veröffentlichte Material spricht eine deutliche Sprache. Inzwischen ist sogar schon von 24 Absätzen die Rede, die ohne Quellenangabe übernommen worden seien. Wohlgemerkt: Dies sind nur die Fundstellen in der Doktorarbeit, deren Originalquellen durch eine Internetrecherche ans Licht kamen. Man wird sicherlich nie vollständig aufklären können, ob es weitere Verstöße gibt, da schließlich bei weitem nicht sämtliche Literatur über Suchmaschinen zugänglich ist. Es könnte sich also nur um die Spitze des Eisbergs handeln. Ich bin gespannt, welche Ergebnisse hier noch zu Tage treten werden. Gespannt darf man auch sein, wie sich letztlich die Universität rechtfertigen wird, die ihm die Doktorwürde mit Bestnote verliehen hat, obwohl die Doktorarbeit auch inhaltlich nicht viel neues biete, wie sich Prof. Fischer-Lescano in der SZ äußerte. Obwohl die Plagiatsproblematik in der Wissenschaft im Zeitalter von google, wikipedia und co alltagsrelevant ist und sich längst Plagiatserkennungssysteme für die Wissenschaft etablieren.

Eine Bagatelle ist dies keineswegs. Abgesehen von allen strafrechtlichen und zivilrechtlichen Vorwürfen, die man zu Guttenberg machen könnte, ist dies eine Ohrfeige für alle redlich arbeitenden Wissenschaftler. Der glaubwürdige Minister wird versuchen, sich damit rauszureden, “vielleicht mal eine Fußnote vergessen” zu haben. Vielleicht gelingt es ihm, Diebstahl fremden (geistigen) Eigentums als Kavaliersdelikt zu verkaufen. Vielleicht wird sich die Universität Bayreuth nicht wagen, dem prominenten Lieblingsabsolventen die Doktorwürde abzuerkennen, obwohl jede Studentin und jeder Student für diese Art des Arbeitens exmatrikuliert werden könnte.

Es haben ja schon ganz andere Doktores unredlich promoviert.

2 Responses to “Dr. plag. zu Guttenberg”

  1. Matthias 18. Februar 2011 at 00:08 #

    Was ich fast noch unglaublicher finde ist, dass Mitglieder des Bundestages für ureigene Angelegenheiten offensichtlich ganz offiziell, geduldet und von allen Steuerzahlern subventioniert den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages bemühen können. Streng genommen muss ein MdB also gar nicht einmal selbst die Quellen suchen, die er kopiert.

    Geradezu bedenklich finde ich aber, wie die Öffentlichkeit reagiert: Angeblich sollen 2/3 der Deutschen ein Plagiat eher als ein vernachlässigenswertes Kavaliersdelikt ansehen. Man stelle sich vor, jemand klaut eine Packung Zigaretten und ‘ne Flasche Korn- Gegenwert 12 Euro – an der Tanke. Ui, der gehört aber böse bestraft! Doch wenn sich jemand einen Doktortitel klaut – Gegenwert mehrere tausend Euro Jahresgehalt mehr als derjenige, der nicht promoviert hat – ist das halb so schlimm? Ohne moralisieren zu wollen: Aber genau das läuft in unserer Gesellschaft so richtig falsch!

    Ich gebe allerdings auch offen zu, dass ich die derzeitige Berichterstattung unserem überhypten Mediendarling gönne. Vielleicht fehlt es mir deshalb an Objektivität :)

  2. Dieter 2. März 2011 at 11:48 #

    Guttenberg: Täter und Opfer.

    Über seine Täterschaft ist genug geschrieben und gesprochen.
    Guttenberg auch Opfer? – Da werfen sich doch eine Reihe von Fragen auf:

    - Hatte Guttenberg die Qualifikation zum Doktoranten? Wer hat diese wie geprüft?
    - Wer war sein Doktorvater, wie hat er ihn begleitet? Warum hat er das “Plagiat” nicht erkannt?
    - Wer war in der Prüfungskommission? Warum hat diese das “Plagiat” nicht erkannt und sie sogar mit der Auszeichnung “SUMMA CUM LAUDE hoch gelobt?
    Normalerweise dauert die Prüfung einer Doktorarbeit Wochen. Binnen zwei Tagen erkannte die Universität die Doktorarbeit als “Plagiat”, nachdem die “Abschreibsünden” bekannt wurden.

    Das Ganze stinkt doch nach Absprachen von einer ganzen Reihe von Personen zum Himmel. Die Universität konzentriert sich auf die Prüfung der Doktorarbeit. Das haben andere bereits für sie getan. Jetzt ist doch wohl die Staatsanwaltschaft gefragt, wie es dazu kommen konnte.
    Die Universität hat nämlich den Boden für diesen Betrug bereitet. Als erstes sollte eigentlich dieser Sumpf trocken gelegt werden, bevor man die Schuhederer putzt, die sich darin beschmutzt haben, denn auch hier gilt:

    “Gelegenheit macht Diebe”

    -
    -